Russland: Petrosawodsk 

Mehr Schlagloch als Straße die Zufahrt nach Petrosawodsk. Zwei oder dreispurig – weiß der Teufel, die Markierung fehlt. Befahren werden vier, fünf Spuren plus Seitenstreifen, je nach dem. Lichtblick die Ampeln. Erstens: sie werden respektiert, nicht als Empfehlung wahrgenommen wie meist andere Verkehrszeichen. Zweitens: ein Countdown zeigt die Sekunden bis zur nächsten Phase. Sprint oder Stand sieht jeder sofort. Drittens: einheitliches, einfaches, klares akustisches Signal.
Das Hostel ist einfach und sehr sauber. Küche und Waschmaschine fehlen, Restaurant und Handwäsche angesagt. Teewassertemperatur in den Duschen, nicht regelbar. Heißwasserdesinfektion. Nötig nach 10 Tagen Wind, Wetter, Zelt.
Spaziergang durch die Stadt. Prunkbau oder Plattenbauruine, wenig Facetten dazwischen. Dafür viel Grünflächen, neben Lenin, Marx und Engels findet durchaus modernes Platz. Niesel vertreibt Lust auf spazieren und fotografieren. Ein Restaurant verspricht Abwechslung nach Spaghetti-Diät, Seele baumeln lassen bei ein paar leckeren Kwas (aus Brot hergestelltes typisches Getränk, alkoholfrei) und Bär im Brotmantel. Trostloser Regen. Den Ausflug zum Touristenklassiker Kischi (UNESCO Weltkulturerbe) um einen Tag verschieben, auf die Wettergötter hoffen.
Der späte Abend bringt die unangenehme, dunkle Seele Russlands. Handlungsort Hostel Petrosawodsk, 6 Bett Zimmer Nummer 12. Handelnde Personen vier Männer zwischen 30 und 60, zwei junge Frauen Anfang 20. Bereits leicht angetrunken als ich gegen 22 Uhr eintreffe. Einen Schluck Bier trinke ich mit, verweigere dann die weitere Teilnahme am Gelage, dusche, lege mich aufs Bett, Stöpsel im Ohr. Wortfetzten fliegen durch den Raum, ein kleiner Fernseher sorgt für Hintergrundrauschen, keiner schaut hin. Zwischendurch bittet die Dame von der Rezeption immer wieder um Ruhe, wird immer wieder ignoriert. Zwischen einer der jungen Frauen und dem ältesten Mann – bei mittlerweile deutlich betrunken – entbrennt ein Streit. Minutenlang, laut. Hände schlagen auf den Tisch, reißen die Frau vom Stuhl, schmeißen sie aus dem Zimmer. Wörtlich. Geschrei, Gebrüll, Gebrabbel auf dem Gang. Später. Die vier Männer sitzen nun ohne Frauen im Zimmer, trinken umso mehr. Jedes Mal wenn sie rauchen gehen schalte ich den Fernseher ab, jedes Mal schalten sie ihn wieder an, jedes Mal schaut keiner hin. Bis ich die Fernbedienung verstecke. Später. Der alte streitet sich mit einem der jungen. Die Rezeptionistin kommt, geht, der junge ohrfeigt den alten. Fünf, sechs Mal geht das so. Später. Ungefähr halb fünf. Drei sind übrig, einer hat aufgegeben, schnarcht trunken vor sich hin. Wieder explodiert die Lautstärke, sie fangen an aufeinander ein zu prügeln, unklar wer auf wen, hauen alkoholschwach daneben, stolpern über die eigenen Füße. Diesmal Glück für die Rezeptionistin, die drei sind zu voll um weiter zu streiten. Einer nach dem anderen klettert ins Bett, fällt wieder raus, rappelt sich auf, klettert wieder rein. In einer Kakophonie aus schnarchen, rülpsen, furzen, fluchen schlafe ich ein. Irgendwie, irgendwann. Russian way of Life.

 

Heinrich meint: "Boah, ich kann ja echt nachvollziehen dass man mal einen hebt. Aber es gibt doch gewissen Grenzen!! Und mal ehrlich: Jungs, sooo viel war das doch auch nicht, ich hab ja noch nicht mal wirklich was gemerkt! Aber was anderes: das Grünzeug um die Leninstatuen schmeckt echt leckerer als das andere. Ehrlich! Und die Elchinnen in den Städten… Huihui, die haben ganz schön hochhackige Hufe und kurze Felle"

 

BTW: die Russlandinfos sind online.

 

dynamischer Lenin Was das Ding auf dem Blumenbeet darstellt Kann man sich aufs Dach stellen Prunkbau haben sich auch was ans Dach gestellt Und wenn das Dach fehlt Strandvergnügen Nomen est Omen Strandpromenade Strandpromenade Die Polizei Rastplatzstandard gemütlich Notrufsäule Grillen Sonnentuntergang

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