Radfahren in Russland 

Allgemeines
http://de.wikipedia.org/wiki/Russland

 

Radfahren
Russland ist sehr groß, das Folgende gilt nur für den Nordwestlichen Teil also Oblast Murmansk, Kolahalbinsel und Karelien.
Radfahrer sind hier absolute Exoten, Radwege unbekannt,  Beschilderungen für Radler sowieso. Fußwege in den Städten sind oft kaputt, Bordsteinkanten auch mal 40, 50 cm hoch. Man muss also im Verkehr mitschwimmen. Gefahren wird rau, überholt auch mal eng bis sehr eng. Wirklich gefährlich war es aber nie. Bewährt hat sich das Radeln mit Licht auch tagsüber. Gefühlt wird man dann etwas mehr „respektiert“, vielleicht erst mal als motorisiert wahrgenommen. Fernstraßen und „Tourstisch“ befahrene Strecken (von Grenzübergängen zu den großen Städten und Fernstraßen) sind häufig gut asphaltiert und ausgebaut. An einigen Stellen auf der M18 (Magistrale Murmansk – St. Petersburg) wird noch fleißig gebaut was durchaus auch mal 40km Baustelle bedeuten kann. Seitenstreifen gibt es von meterbreit bis nicht vorhanden, von glatt asphaltiert über Schlaglochslalom bis grob geschottert. Fast immer ist ein bisschen Platz neben dem Seitenstreifen, da kann man dann recht gut fahren. Auf der M18 schwankt der Verkehr stark, insbesondere um größere Städte nimmt er massiv zu bis zu einem Autobahngefühl. Nebenstraßen sind selten geteert, Sand und Lehm bestimmen das Bodenbild, auch in den Ortschaften sind viele Straßen nicht wirklich befestigt. Bei Regen artet das dann gerne mal in eine Schlammschlacht aus, ist mit deutschen Feldwegen gut vergleichbar. Stabile, breite Reifen mit Profil halte ich für die beste Wahl. Rückspiegel und Lichtanlage ist sehr empfehlenswert.

 

Essen & Trinken
 In quasi jedem noch so kleinen Ort gibt es ein Magazin, kleine „Tante Emma“ (магазин) Läden in denen man die wichtigsten Dinge bekommt. In großen Orten gibt es moderne Supermärkte nach westlichem Vorbild mit großer Auswahl. Tankstellen haben – an den Hauptstraßen recht oft an zu treffen – meist ein kleines Kaffee und Shop angeschlossen. Auch kleine Restaurants (кафе) gibt es immer wieder. Ich hatte immer Essen für mindestens zwei bis drei Tage im Gepäck auch weil Ortshaften oft ein paar Kilometer von der Hauptstraße weg sind. Immer mal wieder gibt es Quellen am Straßenrand die dann auch beschildert sind, allerdings können auch mal 200km ohne Quelle vor einem liegen. Die Bäche und Seen in Karelien sind sehr moorig, das Wasser sieht in der Flasche oft eher wie dünner Tee aus. Wasser aus dem Leitungsnetzt ist fast immer sehr stark gechlort und schmeckt dementsprechend. Flaschenwasser kaufen ist sehr verbreitet und wird an allen möglichen Verkaufsstellen angeboten. Ich habe quais immer See und Bachwasser verwendet oder meine Vorräte an Quellen aufgefüllt und hatte keine Probleme damit. Ob man sich darauf einlässt oder lieber Wasser kauft muss jeder selbst wissen.

 

Campen & Schlafen
Auf vielen Strecken kommt man um wildes Zelten nicht herum. Alle paar hundert Meter gehen kleine Feldwege links und rechts von der Straße ab, da findet sich eigentlich immer ein Plätzchen. Oft sieht man kleine Feuerstellen direkt neben der Straße. Pilze und Beerensammeln und anschließend was grillen ist beliebte Beschäftigung. Allerdings ist man da wirklich sehr nahe an der Straße und dementsprechend laut ist es. Mehrfach wurde ich morgens von Sammlern „entdeckt“, gestört hat sich keiner daran dass ich mein Zelt irgendwo stehen hatte. Wirklich schöne Plätze sind die Ausnahme. Irgendwas zur Bärenabwehr (Spray, Platzpatronen etc.) hatte ich nicht dabei, in der Hoffnung dass sich die wilden Tiere im reichlich vorhandenen Platz weit weg von der Straße aufhalten. Angeblich sind die russischen Bären deutlich „feiger“ als die Nordamerikanischen.
Hostels in unserem Sinn gibt es kaum, Campingplätze gar nicht. In Hostels ist es wohl nicht üblich das es eine Küche oder Waschmaschine gibt. Ab und an gibt es an den größeren Straßen Motels, die habe ich aber nicht genutzt. An größeren Rastplätzen gibt es manchmal die Möglichkeit günstig zu duschen. Hotels gibt es, sind aber sehr teuer und kamen demnach nicht in Frage. Couchsurfen ist nicht unbekannt Gastfreundschaft sehr ausgeprägt.

 

Wind & Wetter
Nur an zwei Tagen hat es wirklich „durchgeregnet“, einen davon habe ich im Zelt verbracht, der andere hat mich in Petrosawodsk erwischt. Meistens hatte ich angenehmes Radwetter, Temperaturen zwischen 10 und 20 Grad, meist um die 15, 16 Grad bei leichter Bewölkung. Mehrfach habe ich kurze aber sehr heftige Schauer erlebt, 15 Minuten unterstehen war da deutlich besser als weiterfahren. Der Wind war in der Regel mäßig.
Ein Problem sind Mücken, mehr noch als ich es in Norwegen erlebt habe. Gerade in Karelien – was quasi eine flache Sumpf und Seenlandschaft ist – war es an einigen Tage dermaßen übel dass ich mich quasi nur im Zelt aufgehalten habe. Mein Mückenmittel hat keine Wirkung gezeigt (schwedisches „Mygga“), geholfen hat nur ein rauchendes Lagerfeuer.

 

Navigation & Karten
Schilder werden nur selten in lateinischen Buchstaben beschriftet. Karten oder GPS mit kyrillischen Buchstaben sind also sehr hilfreich, dann kann man notfalls einfach vergleichen.
Papier: an Tankstellen werden brauchbare Karten zu sehr günstigen Preisen verkauft. Auch einen kleinen Straßenatlas vom Autohersteller Lada habe ich aufgetrieben der sehr hilfreich war.
Digital: http://openmtbmap.org/ (basieren auf openstreepmap.org) und Garmin Mapsource City Navigator Russia

 

Preise & Ausgaben
Grundnahrungsmittel sind recht günstig zu bekommen, auch Benzin, Alkohol und Zigaretten sind sehr billig (eine Packung Zigaretten gehört ins Gepäck, dann kann man dem Pilzsammler ne Kippe spendieren und schon ist er dein bester Freund!). Faire Preise auch in kleinen Cafes und Restaurants, Tankstellen liegen eher auf deutschem Niveau. „Westliche“ Waren sind recht teuer, es gibt aber immer heimische Alternativen die m. M. nach nicht nachstehen und deutlich billiger sind.

 

Essen: 204,- €
Restaurant: 130,- € (einige Besuche, auch mal mittags unterwegs, ein „teures“ in Petrosawodsk)
Übernachtungen: 30,- € (3x Hostel)
Landkarten: 10,- € (3, davon eine Topodetailkarte)
Eintritt: 8,80 € (Atomeisbrecher, Kischi. Bei beiden bin ich zum „Russentarif“ reingekommen. Die offiziellen Eintrittspreise für Ausländer liegen deutlich höher)
Busfahrt: 2,- € (25km, Tagesausflug zu Fuß)
Fähre: 63,- € (Petrosawodsk nach Kischi und zurück)
Telefon: 30,- € (Einladungen  koordinieren etc., deutsche SIM Karte)
Visum: 150,- € (über Visaagentur, inkl. Einladung und Versand ins Ausland. Die eigentliche Visagebühr ist nur 35 €, wer sich selbst darum kümmern kann – man muss persönlich in die zuständige Botschaft in Deutschland, im Ausland nicht machbar – kann hier ordentlich sparen…)

Schnitt: 23,25 € (nur Essen (inkl. Restaurantbesuche) und Schlafen: 13,48 €)


Persönliche Highlights
Meine Gastgeber, Murmansk, Chibinengebirge, Kischi.

 

download GPS Track Russland  (ZIP, 105KB gepackt, 846KB entpackt)

Reisezeiten

Tage unterwegs 27
Von 01.08.2012
Bis 28.08.2012

Die Route

Positionen

Nördlichste Position 69° 39' 29.3" (69.658130)
Südlichste Position 61° 35' 11.5" (61.586520)
Östlichste Position 34° 29' 14.2" (34.487290)
Westlichste Position 30° 2' 35.8" (30.043280)

Fahrrad

Tage 18
Gesamtstrecke 1,704.86 km
längste Strecke 124.65 km
kürzeste Strecke 29.91 km
Schnitt Strecke / Tag 94.71 km
Höchstgeschwindigkeit 57.00 km/h
bester Schnitt 22.60 km/h
schlechtester Schnitt 15.60 km/h
Gesamtschnitt 19.24 km/h
Gesamtzeit 88:27:00 Stunden
längste Fahrzeit 07:11:00 Stunden
kürzeste Fahrzeit 01:40:00 Stunden
durchschnittliche Fahrzeit 04:54:50 Stunden
Höhenmeter 10,245 m
maximale Höhenmeter 1,003 m
wenigsten Höhenmeter 173 m
Höhenmeter / Tag 569 m
Höhenmeter pro Km 6.01 m
höchster Punkt 397 m
durchschnittliche Steigung 1.78 %
maximale Steigung 10 %

Fahrrad (an Ruhetagen)

Tage 10
Gesamtstrecke 6.62 km
Gesamtzeit 00:26:00 Stunden
Höhenmeter 95 m

Übernachtung

camping wild 16 x
privat / Einladung 8 x
Hostel 3 x

Pannen und Defekte

Platten 1 x
Zeltstange gebrochen 2 x

Infos zu den Daten 

Die Daten zur Fahrzeit, Höhenmeter usw. stammen aus meinem VDO MC1.0 Tacho. Die GPS Daten sammelt das Garmin GPSMap 60Cx, die Tracks werden mit QuoVadis verarbeitet, geglättet und neu berechnet damit sie sich besser zum Nachfahren eignen, die original Höhendaten bleiben erhalten.

Die Route in der Karte oben besteht nur aus einer Handvoll Punkten und ist als grober Anhaltspunkt zu verstehen. Wers genau wissen will, findet bei den Ländern die entsprechenden Tracks zum Download.

Übernachtungen und Pannen entnehme ich meinem "analogen" Tagebuch, das Finanzielle entstammt meinem "Haushaltsbuch". Alle Angabe natürlich ohne Gewähr, Verwendung auf eigene Gefahr.

 

Noch ein paar Anmerkungen: GPS und Tacho unterscheiden sich regelmäßig was Strecke, Höhe usw. betrifft. Bei den Fahrradstrecken verwende ich nur die Tachodaten, beim GPS sehe ich immer wieder starke Sprünge wenn der Empfang nicht ideal ist. Fußstrecken kommen aus dem GPS. Fährstrecken sind Luftlinie von Hafen zu Hafen auf digitalen Karten abgeklickt, also sehr grob.

Kosten gebe ich an was "wirklich" nötig war, also Essen, Übernachten, Ersatzteile, Visa usw und wird gerundet. Nicht berücksichtigt werden kosten für "Extras" oder vermeidbares wie Andenken, Postkarten, Konsumgüter etc, da hat jeder andere Ansprüche. Preise unterliegen zudem Währungssschwankungen aber als Anhaltspunkt taugt es sicher alle mal.

Ein Kommentar 

 
 

Benny Poorthuis

Hallo,

Schon viele Jahre möchte ich auch so eine Tour machen. Ich habe eine spezielle "Connection" zum Land Russland da ich zur Russsich-Orthodoxen Kirche gehören und mich das land seit meine Kindheit einfach fasziniert .

Ihr Reisebericht hat mich wieder hungrig gemacht und irgendwann wird meine Radtour auch stattfinden !

Vielen Dank,

Gruß,

Benny Poorthuis,

Mannheim

19.09.2012 17:20:32